Ein Jahr Brandhorst: Alex Katz schenkt Brandhorst-Stiftung bedeutendes Werk - Picasso-Ausstellung im Herbst
München, 18. Mai 2010 Aus dem Kunstareal ist es nicht mehr weg zu denken: Das Museum Brandhorst, am 18. Mai 2009 mit einem Staatsakt eröffnet, zieht nach einem Jahr Bilanz: 345.000 Besucher strömten in das neue Münchner Highlight mit den charakteristischen farbenfrohen Keramikstäben und die Nachfrage reißt immer noch nicht ab.
Nach 2255 Führungen, an denen insgesamt rund 39 300 Menschen teilgenommen haben, bestätigt sich einmal mehr, dass das Haus zu einer festen Institution in München und darüber hinaus geworden ist. »Ich bin begeistert von der großen Resonanz, die das Haus seit seiner Eröffnung erfahren hat«, sagte Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. »lm Museum Brandhorst gehen Architektur und Sammlung einmalig gut zusammen. Das Thema des nachhaltigen Bauens in der Museumslandschaft interessiert die Besucher und die Cy Twombly gewidmeten Räume mit dem »Lepanto«-Zyklus sowie dem »Rosensaal« stellen als Highlights des Hauses auch im internationalen Vergleich eine unschätzbare Besonderheit dar.«
Schenkung von Alex Katz Für den Höhepunkt des ersten Geburtstages sorgte jedoch eine Schenkung des 83-jährigen amerikanischen Malers Alex Katz an die Udo und Anette Brandhorst Stiftung: »City Landscape, eines seiner bedeutendsten Gemälde, bereichert die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst außerordentlich«, sagte Armin Zweite, Direktor der Sammlung Brandhorst und Geschäftsführer der Udo und Anette Brandhorst Stiftung. »Mit der Präsentation dieses großartigen Gemäldes können wir die Bedeutung des Malers Alex Katz noch deutlicher herauszustellen als das bisher der Fall war.«

Der Bestand an Werken des Künstlers in der Sammlung erhöht sich damit auf 16. Durch den Neuzugang wächst der Anteil landschaftlicher Motive auf sechs, darunter so wichtige Darstellungen wie »Dawn«, 1995; »3 P.M. November«, 1996; »Moonlight«, 1997 oder »West Palm Beach«, 1997. Die Besucher können ein weiteres beeindruckendes Großformat im Museum Brandhorst erleben, denn Alex Katz stimmungsvolles Gemälde misst über sechs mal drei Meter. Allein darin manifestiert sich der besondere Stellenwert der Darstellung im Oeuvre des Künstlers, dessen historischer Rang in Deutschland erst in den letzten 10 Jahren vor allem durch zwei große Ausstellungen deutlich gemacht wurde (Bundeskunsthalle Bonn 2002 und Museum Kurhaus Kleve 2009).
 
Zu City Landscape von Alex Katz Das Dunkel der Nacht bzw. das Zwielicht der Dämmerung haben den Künstler seit Mitte der 80er Jahre immer wieder beschäftigt. Auch das jetzt hinzu gewonnene Bild gehört in diesen thematischen Zusammenhang. City Landscape überrascht nicht zuletzt durch seinen Titel. Von einer Stadt mit Häusern, Straßen, Plätzen und Verkehr ist nämlich nichts zu sehen. Stattdessen erkennt man in der ganz auf dunkles Blau und Schwarz reduzierten Darstellung unbelaubte Bäume vor einer breiten undefinierbaren dunklen Zone. Alle Vegetation erscheint auf zeichenhafte Elemente wie Linien und Flächen reduziert. Es wird der Eindruck von Unzugänglichkeit und latenter Verunsicherung heraufbeschworen, den mehrere leuchtende Punkte links und rechts eher betonen als abmildern. Um Gestirne handelt es sich dabei nicht, aber auch nicht um Parkleuchten oder urbane Lichter.
Insgesamt hat der Maler die nächtliche Szene zu einem ästhetischen Ereignis ohne Transzendenz und ohne Sentimentalität gemacht. Der Betrachter blickt eben nicht auf Mond und Sterne, die beinahe zwangsläufig so etwas wie eine romantisch anheimelnde Atmosphäre evozieren würden. Das Sujet - durch die lange Tradition der Nachtstücke bis hin zu Caspar David Friedrich, Edvard Munch, J.A. McNeill Whistler konditioniert und durch viele andere wie etwa Luc Tuymans oder Peter Doig bis in die Gegenwart fortgeführt - ist hier gleichsam in eine reine Erscheinung verwandelt, jedoch entromantisiert, sodass der Betrachter sich in die Szenerie nicht mehr einfühlen kann.
Der Maler Alex Katz  Alex Katz wurde 1927 in New York (Brooklyn) geboren. Seine Eltern, Isaac und Sima, wanderten zu Beginn der 20er Jahre aus Russland in die USA ein. Die Mutter war in Odessa als Schauspielerin ausgebildet worden, der Vater wurde zum erfolgreichen Geschäftsmann und interessierte sich sehr für Literatur. Katz besuchte von 1946 bis 1949 das Cooper Union College of Art, Architecture and Engineering und 1949 für ein halbes Jahr die Skowhegan School of Painting in Maine, das heißt traditionelle Ausbildungsstätten, in denen mittelmäßige Künstler im Gefolge der klassischen Moderne unterrichteten. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre fand er zu seinem unverwechselbaren Stil und stellte immer häufiger aus. Die Sammlung Brandhorst verfügt aus dieser Phase über zwei herausragende Werke, die zu den wichtigsten des Frühwerks rechnen: »Paul Taylor« (1959), für dessen Dance Company der Maler immer wieder Bühnenbilder entworfen hat, und »The Black Dress« (1960), auf dem seine Frau Ada mehrfach in unterschiedlichen Positionen dargestellt ist.
Ausblick: Picassos Bücher ab Herbst 2010 Auch die erste Ausstellung im Museum Brandhorst ist bereits in Vorbereitung: Die Sammlung beherbergt rund 112 der insgesamt 157 im Werkverzeichnis aufgeführten Künstlerbücher Picassos. Die Ausgaben aus den Jahren 1905 bis 1983 stellen - neben den Werken von Andy Warhol und Cy Twombly - den größten Werkkomplex der Sammlung dar und repräsentieren die frühen Interessen des Ehepaars Brandhorst, die sich in den 60er und 70er Jahren auf die klassische Moderne und ihre Folgen konzentrierten. Die Ausstellung wird am 24. November eröffnet und 2011 auch in Dresden zu sehen sein.
Das Museum Brandhorst | Museum Brandhorst: Ausgewählte Werke: Die Sammlung Udo und Anette Brandhorst

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Ausstellung Norbert Tadeusz - Arbeiten auf Papier Staatliche Graphische Sammlung München in der Pinakothek der Moderne
Pressevorbesichtigung: 05.05.2010, 11.00 Eröffnung: 05.05.2010, 18.30 Ausstellungsdauer: 06.05.-29.08.2010
Grundlage von Tadeusz´ Malerei bildet ein immenses zeichnerisches Werk, das in seiner faszinierenden Vielfalt nun erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung steht. Ermöglicht wird dies durch eine großzügige Schenkung, dank derer bedeutende Konvolute von jeweils etwa hundert Arbeiten auf Papier Eingang in die Staatliche Graphische Sammlung München und das Dresdner Kupferstich-Kabinett gefunden haben.
»Düsseldorf war die Persilstadt ? alle Kunst war weiß«. So äußert sich Norbert Tadeusz, geboren 1940, über die Jahre seiner künstlerischen Anfänge an der Düsseldorfer Akademie. Der damals allgegenwärtigen Tendenz zur Abstraktion hat sich der Künstler, der als einer der Ersten in die Klasse des kurz zuvor berufenen Joseph Beuys eintrat, konsequent verweigert. Heute zählt er zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart, die trotz aller Skepsis stets an einer gegenständlichen Bildwelt festhielten.
Die Ausstellung dokumentiert die ganze Vielfalt von Tadeusz? zeichnerischen Möglichkeiten aus allen Epochen seines Schaffens bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. Von bravourösen Naturstudien und Aktzeichnungen spannt sich der Bogen zu Malereien auf Papier, Aquarellen und Gouachen sowie Collagen und bearbeitete Fotografien, in denen Tadeusz kompositorische und räumliche Bezüge auslotet.
Die Schau wird abgerundet durch eine Auswahl des reichen druckgraphischen Werks.
Parallel zur Ausstellung bietet sich im Saal 31 der Pinakothek der Moderne eine Präsentation von Gemälden des Künstlers. Auf diese Weise entfaltet sich ein umfassendes Panorama der sinnlich wie formal überaus anregenden Motivwelt des Norbert Tadeusz. Dieses eröffnet dem Besucher immer wieder neue Zugriffe und Interpretationen des Gegenstands, die aus banalen oder zufällig entstandenen Motiven autonome Bildfindungen von frappierender Schönheit entstehen lassen.
O.T. (Interieur mit Akt - Berlin, Dahlmannstr.), 1972. Staatliche Graphische Sammlung München. © VG Bild-Kunst, Bonn 2010 | Foto: Staatliche Graphische Sammlung München
 Norbert Tadeusz gehört zu den wichtigsten Vertretern der figurativen Malerei in Deutschland nach 1945. In den 1960er Jahren erarbeitete er sich in deutlicher Opposition zu Gerhard Hoehme und Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie einen Neuansatz der figürlichen Malerei, der maßgeblichen Einfluss auf die "Neue Figuration" der 1980er Jahre nahm. Der Schatten als eines der wichtigsten malerischen Themen in seinem Werk spielt beispielsweise bei den Akten, den Interieurs oder den "Cavalli" und den typischen "Tadeuszszenen" eine immer wiederkehrende Rolle. Der Katalog widmet sich drei werkübergreifenden Themenblöcken: dem Schlagschatten architektonischer Elemente, der die Figurenszenen grafisch strukturiert; den amorphen Schattenbildern von Figuren, die sich zu mythischen Wesen verbinden; und dem Schatten des Künstlers, der als Betrachter und Schöpfer im Bild ist. Norbert Tadeusz: Schattenbilder 1965-2009. Bilder und Zeichnungen
 Der in Italien und Düsseldorf lebende Künstler Norbert Tadeusz wandte sich bereits während seines Studiums der traditionellen Malerei und ihren Bildthemen zu. Oft ist es die Farbe, die ihn als Erstes fesselt und auf ein Sujet aufmerksam macht. "Was mir so ins Auge springt, das male ich [?] " die Landschaft, der Akt, das lebende Tier ebenso wie das Stillleben. Diese sinnlichen Farbeindrücke verarbeitet er in zahlreichen Variationen und großen Bildformaten, die es ihm erlauben, Sujets in realer Größe wiederzugeben. Intensive Farben, die überraschen und verführen, sowie das Spiel mit der Betrachterperspektive bilden die Konstanten in seinem malerischen Werk. Der Katalog präsentiert 13 großformatige Gemälde des Künstlers, die durch eine großzügige Schenkung in die Kunstsammlungen Chemnitz Eingang fanden. Norbert Tadeusz: Gemälde 1978-2002
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Beiträgen von M. Semff und C. Quaeitzsch.
Zur Pinakothek der Moderne
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Ausstellung Arnulf Rainer - Der Übermaler
Eine Retrospektive zum 80. Geburtstag des Künstlers in der Alten Pinakothek 10.06.-05.09.2010 | Sammlung Moderne Kunst in der Alten Pinakothek
Pressevorbesichtigung: 09.06.2010, 11.00 Eröffnung: 09.06.2010, 19.30 Ausstellungsdauer: 10.06.-05.09.2010
Die Pinakothek der Moderne widmet nach der Ausstellung der Skulpturen Cy Twomblys 2006 einem weiteren Gegenwartskünstler eine Hommage in der Alten Pinakothek: Arnulf Rainer. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt sie eine konzentrierte Werkschau des österreichischen Malers mit zentralen, zum Teil noch nie ausgestellten Werkkomplexen. Dazu zählt eine Reihe von Bildern, die eigens nach Gemälden der Alten Pinakothek entstanden sind, und damit Rainers Kernthema, den Dialog mit der Kunst exemplarisch fortsetzt.
Das Schaffen Arnulf Rainers, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, ist ein Hauptpfeiler der Sammlung in der Pinakothek der Moderne. Seit der Eröffnung des Hauses 2002 sind Beispiele seines Werks kontinuierlich in einem Künstlerraum zu sehen, wo sie einem spannungsvollen Diskurs mit den Arbeiten von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Palermo, Willem de Kooning oder Franz Kline stehen. Die Ausstellung vertieft und erweitert diesen Sammlungsaspekt.
Rainers Malerei entfaltet sich seit den 1950er Jahren in dialektischer Spannung zwischen den Polen eines ruhigen, meditativen Farbauftrags und einer körperlich-kraftvollen Expressivität. Seine Methode des langsamen ?Übermalens?, die häufig in fast monochrome Gemälde führt, steht im Dialog zu den in hoher Geschwindigkeit hergestellten, gestischen und körperbezogenen Werkserien wie den Fingermalereien oder den Face Farces.
In zwei großen Räumen klassischer Prägung der Alten Pinakothek werden die Kontraste des Rainerschen ?uvres in ihrer Wechsel-wirkung und solitären Strahlkraft erlebbar. Wichtige Werkblöcke aus dem umfangreichen graphischen Werk sind in den angrenzenden Kabinetten zu sehen. Einen Höhepunkt bildet der Abschluss der Aus-stellung. Der letzte Raum ist den neusten Werken Rainers gewidmet, die aus der Anregung mit Gemälden der Alten Pinakothek entstanden sind: Cranach, Giorgione, Rubens, Velazquez oder Boucher. Diese Bildvariationen können in unmittelbarer Nähe zu den Originalen betrachtet werden. Sie laden ? im selben Haus - zu einem Spazier-gang durch die Malerei der Jahrhunderte ein. Die Ausstellung setzt damit auch wichtige Impulse für die weitere Aktivierung der Achse zwischen den Pinakotheken.
   
Begleitend zur Ausstellung erscheinen zwei Publikationen: In einem Band werden erstmals alle Schriften von Arnulf Rainer erfasst. Diese, so Rainer, "Tricks und Gebrauchstexte, um schlimmeren Inter-pretationen anderer zuvorzukommen" sind pointierte Stellungnahmen zum eigenen Schaffensprozess. Der zweite Band gilt der Ausstellung "Arnulf Rainer. Der Übermaler". Den Warnungen Rainers zum Trotz wagen Barbara Catoir und Corinna Thierolf Einführungen ins Werk.
Bücher:
Arnulf Rainer - Female : Das fotografische Bild der Frau ist seit mehr als 30 Jahren immer wiederkehrende Herausforderung für den Überarbeitungsgestus von Arnulf Rainer. Waren es früher gefundene Erotikfotos vom Flohmarkt oder anzügliche Postkarten aus dem 19. Jahrhundert, so sind es in den neueren Arbeiten Kunstdrucke oder Buchillustrationen und eigene fotografische Aufnahmen, die Rainer selbst anfertigt, die in vielfältiger Weise überzeichnet, bearbeitet, übermalt, weggekritzelt oder akzentuiert werden. Erstmals wird mit dieser Publikation dieses besonders sensible und intime Kompendium an Arbeiten aus dem Oeuvre von Arnulf Rainer beleuchtet und umfassend vorgestellt.
Arnulf Rainer - Bibelübermalungen, engl. Ausg.: Bible In this volume all of Arnulf Rainer's 160 bible pictures are reproduced,
accompanied by a text from the Luther Bible and with art historical
commentary and detailed descriptions.
Arnulf Rainer. Das Kreuz, das den Sinn ergeben könnte Das Motiv des Kreuzes nimmt in mehrfacher Hinsicht eine zentrale
Position im Werk des österreichischen Künstlers Arnulf Rainer ein. Als auffällige Grundfigur findet es sich in allen Werkphasen und Serien; ein Sujet, auf das der Künstler immer wieder zurückgreift. Er selbst bezeichnet die Verwendung des Kreuzmotivs als ein bestens geeignetes Verfahren, ein Bild verstummen und bewegungslos werden zu lassen; nichts anderes fordere ihn so sehr heraus und bringe ihn so in »Arbeitswut und Fleiß«. Der vorliegende Band widmet sich diesem großen Thema im Werk von Arnulf Rainer, Texte des Künstlers begleiten neben zahlreichen Papierarbeiten die berühmten Bretterkreuze und großen Holzkreuze. Mit Texten von Arnulf Rainer, Reinhold Baumstark und Rudi Fuchs. Das zentrale Motiv im Werk von Arnulf Rainer Ausstellung ARNULF RAINER | ES IST DAS KREUZ, DAS DEN SINN ERGEBEN KÖNNTE?, Arnulf Rainer Museum, Baden, 5. Mai bis September 2010 Arnulf Rainer (*1929) wandte sich nach anfänglichen Arbeiten im Stil des phantastischen Realismus expressiv-gestischen Formen zu. Ab 1958 entstanden aktionsbedingte Übermalungen des eigenen Körpers und von Porträtfotos. Rainers Arbeiten sind in ihrer malerischen Ich-Verwandlung monologische Kommunikationsprozesse.
Bild: Arnulf Rainer Frau aus Flamen, 2010, Schwarzstift und Acryl auf Laserdruck © Arnulf Rainer Photo: Robert Zahornicky. Die Ausstellung wurde substanziell unterstützt von Patrons of the Pinakothek.
Zur Ausstellung | Arnulf Rainer Museum
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Ausstellung OGGETTI E PROGETTI ALESSI: STORIA E FUTURO DI UNA FABBRICA DEL DESIGN ITALIANO
Pressekonferenz: 20.05.2010, 11.00 (Alessandro Mendini und Alberto Alessi sind zur Pressekonferenz anwesend.) Eröffnung: 21.05.2010, 19.30 Ausstellungsdauer: 22.05. - 19.09.2010
Alessandro Mendini, der Ende der 1970er Jahre eine enge Zusammenarbeit mit dem damals ganz jungen Unternehmer Alberto Alessi begann, spielt als Entwerfer, Architekt und Theoretiker eine zentrale Rolle für die Entwicklung des italienischen Designs. Seine ungewöhnlichen, radikalen Ideen ließen ihn zum Vordenker und Impulsgeber der gestalterischen Avantgarde werden.
Zwischen dem Unternehmen in Oberitalien und Mendini entwickelte sich über die Jahrzehnte »eine Beziehung, die an diejenige von Peter Behrens mit der AEG erinnert«. (Alberto Alessi)
Nun kuratiert und gestaltet Alessandro Mendini für Die Neue Sammlung einen Rückblick auf die letzten 30 Jahre italienischen Designs - fokussiert auf diesen Protagonisten der Szene: das Unternehmen Alessi, das sich vom kleinen metallverarbeitenden Betrieb zur weltweit agierenden Ideenfabrik wandelte. Mit seinen Produkten, und vor allem auch durch seine stilprägenden Ideen, Aktionen und Metaprojekte schrieb Alessi europäische Designgeschichte und ist Auslöser für Reflexionen über die Zukunft des Designs. Die Designtradition bei Alessi, die von dem berühmten Tee- und Kaffeeservice »Bombé« aus der unmittelbaren Nachkriegszeit über das »Bel Design« der 1950er und 1960er Jahre und die Postmoderne bis zum Pluralismus der jüngsten Zeit reicht, bindet Mendini in kritischer Reflexion in sein Ausstellungskonzept ein und wirft damit zugleich ein Schlaglicht auf die Entwicklung des Designs in Italien.
Besonders charakteristisch sind dabei Metaprojekte wie »Tea & Coffee Piazza« (1983), oder »Tea & Coffee Towers« (2003), in denen internationale Architekten eine klassische Designaufgabe gestalteten. Dafür nutzt Mendinis Inszenierung einen der beiden acht Meter hohen Paternoster im Ausstellungsraum der Neuen Sammlung als umlaufende Bühne. Im anderen Paternoster rollieren wie in einem Perpetuum Mobile die Autorenvasen aus dem 1992 von Mendini entwickelten Metaprojekt 100% Make Up. Die Geschichte der Familie Alessi als geistiger Motor des Unternehmens wird ebenso dargestellt wie Produktionsprozesse und ihr Wandel. Mendinis Konzeption richtet sich aber auch auf die Gegenwart mit ihren gewaltigen Umbrüchen. So thematisiert er allgemeine Designstrategien und Problemstellungen des heutigen Designs, wie etwa Nachhaltigkeit, Energiebilanz, Wiederverwertung und neue Technologien. Auch Aspekte der kulturellen Dynamik zwischen Ost und West und die veränderte Ästhetik einer von raschen Wechseln geprägten globalisierten Welt werden aufgegriffen.
Ein neues Metaprojekt, das Mendini mit dem Unternehmen entwickelte, umfasst zehn Prototypen von Designern, mit denen Alessi bisher meist noch nicht zusammengearbeitet hatte. Diese Objekte zeigen die veränderten Prämissen für kommende Herausforderungen im Design, sei es global betrachtet, sei es in Bezug auf das, was Mendini das »ecosistema Alessi« nennt. Ein Versuch, Hypothesen für ein Design der Zukunft zu formulieren.... Die Arbeit in der Ideenfabrik geht weiter.
Bild Richard Sapper | Holzmodelle für eine Espressomaschine, 1978 | Foto: Archivio Alessi. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation. Hrsg. Alberto Alessi und Alessandro Mendini. Gestaltung: Italo Lupi. In deutsch/italienischer und englisch/französischer Ausgabe. (35 Euro / Umfang 144 Seiten). Eine Ausstellung der Neuen Sammlung - The International Design Museum Munich in Kooperation mit Museo Alessi. Unterstützt durch das Istituto Italiano di Cultura, München
Die neue Sammlung | Alessi Design Produkte
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Susanne Gaensheimer vom Außenminister Guido Westerwelle zur Kommissarin für den Deutschen Pavillon der 54. Biennale von Venedig
Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main freut sich Ihnen mitzuteilen, dass Susanne Gaensheimer vom Außenminister Guido Westerwelle zur Kommissarin für den Deutschen Pavillon der 54. Biennale von Venedig 2011 berufen worden ist.
Dr. Susanne Gaensheimer und Christoph Schlingensief werden am 29. Juni 2010 um 11 Uhr im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im Rahmen eines Pressegespräches zur Verfügung stehen.

Susanne Gaensheimer ist seit Januar 2009 Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. In ihrer Arbeit am MMK hat sie die Sammlung des Museums ins Zentrum gerückt und damit das MMK deutlich als eines der international führenden Museen für Gegenwartskunst positioniert. Neben einer fortlaufenden Serie thematischer Sammlungspräsentationen, die mit einem Fokus auf die Meisterwerke der Pop Art und des Minimalismus begann, hat sie eine Reihe von Ausstellungen etabliert, in denen zentrale künstlerische Positionen der Sammlung umfassend vorgestellt werden. So fanden im MMK im letzten Jahr Ausstellungen von Jack Goldstein, Barbara Klemm, Sarah Morris und Peter Roehr statt. Im Falle von Peter Roehr wurde ein bedeutender Frankfurter Künstler der 1960er Jahre und zugleich ein wesentliches Standbein der Sammlung einem breiten Publikum neu präsentiert. Die Ausstellung zu Jack Goldstein, die international stark wahrgenommen wurde, und die daraus hervorgegangenen Erwerbungen haben die Sammlungsschwerpunkte des MMK um entscheidende Verbindungsstücke zwischen Pop Art und Konzeptkunst nachhaltig ergänzt. Mit der Ausstellung und einer Neuproduktion von Sarah Morris für das MMK wurden diese Schwerpunkte in die aktuellste Gegenwartskunst überführt.
2010 werden in den Sammlungspräsentationen zunächst die bedeutenden Werkgruppen der Konzeptkunst sowie im Herbst Teile der über 1500 Werke umfassenden Sammlung internationaler Gegenwartsfotografie gezeigt. Ein Schwerpunkt wird außerdem die Ausstellung ?The Purple Generation. Mode und Fotografie in den 1990er Jahren? darstellen. Für das Jahr 2011 ist eine umfassende Retrospektive des amerikanischen Künstlers Félix González-Torres geplant.
Zu Ihrer Berufung sagt Susanne Gaensheimer: Seit ihren Anfängen am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Biennale in Venedig - bis auf die Zeit zwischen 1934 und 1942 - einer der wesentlichen, international wahrgenommenen Orte, an denen die avantgardistischsten Positionen der zeitgenössischen Kunst präsentiert und im Diskurs mit Interessierten aus der ganzen Welt verhandelt werden. Das Publikum und die Künstler erwarten von dieser Biennale, mit den progressivsten künstlerischen Positionen konfrontiert zu werden. Gerade die Ausstellungen im Deutschen Pavillon haben hierfür meiner Ansicht nach Maßstäbe gesetzt, denkt man an die Beiträge von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Hans Haacke oder Isa Genzken. Ich freue mich darauf, diese Möglichkeit zu nützen und gemeinsam mit einem oder mehreren Künstlern den Deutschen Pavillon zu gestalten.
Der Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, Prof. Felix Semmelroth, zur Berufung von Susanne Gaensheimer: Die Berufung von Susanne Gaensheimer als Kommissarin für den Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 2011 ist eine Auszeichnung ihrer Person und ihrer Arbeit im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. Susanne Gaensheimer hat in ihrem ersten Jahr ein konsistentes Programm für das MMK entwickelt, in dessen Zentrum die intensive und publikumswirksame Auseinandersetzung mit der Sammlung des Hauses steht. Ihre bisherigen Sonderausstellungen z. B. über Sarah Morris, Jack Goldstein oder Peter Roehr haben gezeigt, dass sie einen äußerst profunden Zugang zur Gegenwartskunst hat. Wir können auf den Deutschen Pavillon der Biennale 2011 sehr gespannt sein.
Christoph Schlingensief macht den Deutschen Pavillon auf der Venedig Biennale 2011
"...am Ende will ich sicher sein können, dass meine Arbeit einen sozialen Gedanken hat" (Christoph Schlingensief)
CHRISTOPH SCHLINGENSIEF IST HEUTE AM 21.AUGUST 2010 VERSTORBEN.
Wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass Christoph Schlingensief die Einladung der Kommissarin des Deutschen Pavillons der Venedig Biennale 2011, Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin am MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, angenommen hat.
Christoph Schlingensief probt derzeit in Berlin für das Projekt VIA INTOLLERANZA II, das von der Aktionsoper "Intolleranza 1960" des italienischen Komponisten Luigi Nono ausgeht und von Schlingensief als eine begleitende Forschungsarbeit zu seinem Operndorf-Projekt im westafrikanischen Burkina Faso gesehen wird. Die Inszenierung wird ab Mitte Mai in Brüssel gespielt und im Anschluss in Hamburg, Wien und in München zu sehen sein.
Mit der Einladung in den Deutschen Pavillon stellt sich für Schlingensief eine weitere neue Aufgabe. Das ist eine große Überraschung. Ich habe in vielen Bereichen gearbeitet, als Film-, Theater- und Opernregisseur, Produzent, Alleinunterhalter, Mensch, auch als kranker Mensch und Christ, auch als Politiker und Performer und ich habe mich auch immer für Künstler interessiert, die die Kunst fast zwanghaft betrieben haben, darin auch nicht unbedingt eine Unterscheidung zum Zwang des Leben-Müssens oder -Wollens gesehen haben. Eine Form von Schizophrenie war für meine Arbeit und mein Leben schon immer typisch. Wenn ich nur bei einer Sache wäre, würde ich mich langweilen, käme mein Kopf nicht in Fahrt. Ich muss zwischen der Musik und dem Bild, den Menschen und der Sprache, dem Gesunden und Kranken, dem Lustigen und Traurigen immer die Chance haben, auch das Gegenteil zu behaupten. An die Eindeutigkeit der Welt glaube ich nicht. Die Aufgabe den Deutschen Pavillon, einen verdächtigen Repräsentationsbau, nicht für repräsentative Zwecke, sondern für künstlerische Zwecke zu benutzen, ist da genau das Richtige: eine schwere Last, aber Kunst macht leicht, was sonst schwer ist. Vielleicht ist das aber gerade das Gute daran. Ich liebe jedenfalls Risse und Gegensätze und in den nächsten Monaten werde ich herausfinden, welche Gegensätze für Venedig, den Deutschen Pavillon und Burkina Faso am produktivsten sind?, kommentiert Christoph Schlingensief seine Berufung.
Dr. Susanne Gaensheimer ergänzt: "Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich Christoph Schlingensief in radikaler und rückhaltloser Direktheit mit der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Befindlichkeit der deutschen Bundesrepublik. In größtmöglicher medialer Vielfalt und stets unvorhersehbar bewegt er sich in seinen Filmen, Theaterstücken, Operninszenierungen und Kunstaktionen permanent an der Grenze zwischen Realität und Fiktion, Inszenierung und Improvisation, Verbindlichkeit und Provokation, und entwickelt dabei eine ganz eigene Form von Moral und Menschlichkeit. Durch das Projekt der Gründung eines Operndorfes in Burkina Faso in West-Afrika überführt Schlingensief die Idee des Nationalen in eine weltbürgerliche Dimension. Ich halte ihn für einen der ganz wesentlichen Künstler dieses Landes und stelle mir vor, dass durch seine künstlerische Vision die Idee der nationalen Repräsentation transformiert und der Deutsche Pavillon zu einem Ort der Kommunikation und des kosmopolitischen Geschehens wird." Die Ausstellung im Deutschen Pavillon entsteht im Auftrag des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland und wird realisiert in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa).
Ausstellung im MMK Museum für Moderne Kunst - Frankfurt
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AL TAYLOR - DAS DRUCKGRAPHISCHE WERK
Mit großer internationaler Resonanz zeigte die Staatliche
Graphische Sammlung 2006 die Retrospektive "Al Taylor Zeichnungen". Allmählich erfährt das vielgestaltige Werk des 1948
geborenen und 1999 gestorbenen Amerikaners, das Skulpturen,
Zeichnungen und Druckgraphik umfasst, die ihm gebührende
Anerkennung. Die zweite Museumsausstellung Al Taylors in München stellt
erstmals sein druckgraphisches Werk vor. Es verbindet uralte
graphische Medien mit neuen schöpferischen Ideen und zählt in
seinem experimentellen Geist zum Erfinderischsten, was diese
Gattung in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat.
Gezeigt wird eine Auswahl von ca. 130 weitgehend unbekannten
Blättern, unter denen neben den Lithographien vor allem die
Monotypien und Radierungen hervorragen. Durch die Einbeziehung
zahlreicher Probedrucke und Unikate wird der Werkprozess des
Künstlers besonders anschaulich.
Abbildung: Al Taylor| Dixie, 1990,
Lithographie / 826 x 613 mm.
Artist´s Proof 2/4,
Staatliche Graphische Sammlung
München, Schenkung Debbie Taylor
Inv.-Nr. 2010:11 D
23.09.-05.12.2010 in der Pinakothek der Moderne
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